09.11.2017 Es wird alles gut, Frau Müller

Geschrieben in Taupo

An diesem Tag arbeiteten wir nur Vormittags, weil wir den Sonnenschein für einen Ausflug zu den Pupu Springs und der Rawhiki Cave ausnutzen wollten. Von der Golden Bay aus muss man schon 30 Minuten zum nächst größeren Ort Takaka fahren, also ist man eine Weile unterwegs.

Noch nie haben wir gesehen, dass das die Quelle für einen Frischwassersee unmittelbar in Mitten des Sees liegt und aufgrund der geringen Wassertiefe und -klarheit so eindrucksvoll zu erkennen ist. Leider war schwimmen hier verboten, da eine Algenpest viele Süßwassergewässer befallen hat und sich rasant ausbreitet. Also blieb unsere Badehose ausnahmsweise mal trocken.

Aufgequirltes Wasser deutet auf den Wasseraustritt im Boden hin

Auf dem Weg zur Rawhiki Cave stoppten wir noch an einem 100 Jahre alten Turbinenhäuschen, mit dem noch immer eine geringe Menge Strom für den Ort Takaka gewonnen wird.

Hydro-Powerstation von Takaka

Und nach einem 30 minütigen langen, aber verdammt steil bergauf führenden, Spaziergang wohl eher nicht, vielmehr Aufstieg, empfing uns eine, wirklich, atemraubende Höhle von riesigem Ausmaß.

An diesem Abend wollte Lawrry ein wenig Zeit mit seiner Kylie im Spiegelschlafzimmer verbringen (er hat sein Bett rund um mit Spiegeln ausgestattet:D) und da auch die Manager der Häuser nicht zugegen waren, übernahmen wir die Einweisung der Gäste. An diesem Abend, so war es im Buch eingetragen, sollten für alle 3 Unterkünfte neue Gäste ankommen. Sobald das Telefon klingelte baten wir die Gäste zu den Schildern zu den Häusern zu folgen und es sich bequem zu machen, bevor wir á la Tom Cruise Style in Top Gun mit dem Motorrad die Schottepiste hochbretterten. Die ersten Gäste (Belgier) für den Hausbus kamen aus am frühen Abend und fanden ihren Weg problemlos. Die zweiten Gäste (Australier) für das Little Greenie kamen kurze Zeit später und auch sie hatten keine Probleme ihr Domizil für die nächsten Tage zu finden. Dann, um 21 Uhr, gerade als wir die Hühnerknubbels auf dem Grill hatten und uns das Wasser im Mund zusammenlief klingelte das Telefon: „Sis is Frau Müller. We are in se Kiwi Greenie.“ „ Alles klar, Frau Müller, wenn Sie dann bitte den Schildern zum Kiwi Greenie folgen und es sich bequem machen würden. Wir sind in 5 Minuten bei Ihnen.“ Es verging eine Weile bis wir die Scheinwerfer im Berg verschwinden sahen. Ich schnappte die Sonnebrille, Lederjacke und meine blonde Begleitung und startete die Maschine. Leider ohne die F14 am Himmel, aber dafür Sterne, fuhren wir hoch zum 1km entfernten Kiwi Greenie. Es geht konstant bergauf und kurz vor der letzten scharfen Linkskurve zum Haus sahen wir plötzlich Frau Müller mit beiden Armen über dem Kopf winkend, als würde sie in höchster Not schweben. Sie schien alleine zu sein, denn ihre Begleitung war nicht in Sicht. „Die Straße hier ist ja eine Zumutung. Wir wären beinahe nach hinten gerutscht. Unser Auto kommt da nicht hoch.“ Der SUV Mitsubishi hatte auf jeden Fall gute Spuren im Schotter hinterlassen, sich aber eher zurück als vorwärts bewegt. Aber vom Busch waren sie noch Meter entfernt. Kein Grund zur Panik. „Ja, es ist wirklich steil und nicht einfach hier hinauf zu fahren“ (Es mag sarkastisch klingen, aber ich meinte es wirklich ernst) beruhigten wir sie. Ihre männliche Begleitung kam und auch er musste noch einmal seinen Senf abgeben, dass man ein kräftiges Auto benötigt, um die letzten 100 Meter zum Haus zu fahren. Kathi war schon vom Motorrad abgestiegen und hatte kurzerhand Frau Müller den Autoschlüssel stibitzt. Während ich mit den beiden etwas aufgelöst wirkenden Landsmännern zum Haus lief, kroch der Mitsubishi mit Michael Schumacher am Steuer ohne Probleme und Steine spuckende Reifen den Hügel hinauf. Slowly but steady ist das Schlüsselwort. „Auf jeden Fall habt ihr für Euren Urlaub das schönste Haus inklusive des schönsten Ausblicks gebucht“ beglückwünschte Kathi die Beiden. „Na das werden wir sehen“ entgegnete Frau Müller. Natürlich blieben wir freundlich und zeigten alle wichtigen Infos, aber auf dem Weg nach unten fragten wir uns, was die Touristen denn hier in Neuseeland erwarten. Manche Straßen sind so ab vom Schuss, dass eine geschlossene Oberfläche nicht machbar oder einfach zu teuer ist. Aber uns für ihre mangelnden Fahrfähigkeiten so anzumachen, fanden wir beide zu viel.

Unsere Hänchen waren jetzt auf jeden Fall knusprig gebraten:D Wir genoßen sie mit Kartoffeln und Salat. Ach ja, vom Karneval und wilden Jecken fehlt hier jede Spur.

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