15.10.2017 Crayfisher, Tarzan und Jane

Geschrieben im Bongo von Lumsden nach Queenstown

6:30 Uhr – der Wecker klingelt. Nicht ganz fit pellte ich mich aus dem warmen Plymo, von Kathi kam nur eine kleine Reaktion. „Willst Du wirklich aufstehen?“ fragte sie mich. „Klar. Shannon hat mich extra gefragt und gemacht hab‘ ich’s auch noch nie gemacht.“ Während  sich Kathi und Teddee noch einmal herumdrehten, ging ich rüber zum Haus. Shannon saß mit einem Pott Kaffee auf der Couch und schaute irgendeine Fischershow im TV.

Um 6:45 Uhr fuhren wir in Richtung Bluff, griffen auf dem Weg Shannons Ein-Mann-Crew Jimmy auf und trafen pünktlich um 7 Uhr an der Glory Days (Shannons Kutter) ein. In 3 großen Alu-Tanks auf dem Deck waren in Kunststoffkörbe die Edelkrebse über den Tag verwahrt worden, doch die Sonne forderte ihren Preis. Ca. 200kg Crayfish hat den vorherigen Tag nicht überlebt, da die geringste Wassertemperaturerhöhung den Tod für die Tiere bedeutet. Der Klimawandel zwingt Shannon, obwohl illegal, immer weiter in die antarktischen Gewässer zu fahren, weil sich der Crayfish in die dort kühlen Gewässer zurückzieht. Wir öffneten also die Ablaufventile der Tanks und spülten für 30 Minuten Frischwasser aus dem Meer durch die Tanks. So sind die Edelkrebse quicklebendig, wenn der LKW (Es läuft „Weiß der Geier oder weiß er nicht im Radio:D) um 8 Uhr die Ladung einsammelt. Während wir warteten gab’s Tee oder Kaffee und Shannon erklärte mir, dass seine Ladung binnen 48h in China per Luftfracht ankommt und ein Crayfish dort für mindestens 200$ im Restaurant gehandelt wird (Ganz egal ich liebe Dich), je nach Zustand natürlich. Sobald ein paar Kratzer im Panzer sind, ein Beinchen oder Fühler beschädigt ist, kann Shannon diese nicht mehr verkaufen. Und er bekommt pro Kilo schon nur 60$ (Du kannst alles von mir haben, doch es läuft nichts ohne mich). Den großen Gewinn streichen also wieder andere ein und nicht die, die bei Wind und Wetter der See trotzen und eigentlich mehr vom Kuchen verdient hätten. Um kurz vor 8 Uhr gab’s für mich die klassische Arbeitskluft für Fischermänner (wasserdichter Blaumann und Gummistiefel) und wir luden die 47 Körbe á 20kg auf den LKW. Hört sich leicht an, aber die Körbe vom Boot 2m hoch auf den Pier zu hieven, lässt die Arme schneller als erwartet schwer werden. Jimmy ließ sogar beinahe einen Korb ins Wasser fallen:D „Wirst Du etwa schon müde“ stichelte Shannon. Nach getaner Arbeit wurden die Tanks noch  von Crayfishkot gereinigt und das Deck geschrubbt. Nachdem wir Jimmy wieder zu Hause abgesetzt hatten, zeigte mir Shannon noch für 1h die Gegend und schwelgte in Erinnerungen. Unterdessen war Kathi mit Zion und Sailor zugange, weil sich Elle noch von Jägermeister, Sambuca und Co. Erholen musste. Um in den nächsten Tagen nicht auf Toastbrot zurückgreifen zu müssen, hat Kathi kurzerhand noch ein leckeres Brot für uns gebacken und, weil Shannon es so lecker fand und die Hälfte aufgegessen hat, noch ein zweites in den Ofen geschoben😊.

Ungeplant, weil Shannon mir bei unsere morgendlichen Tiki-Tour noch eine coole Überraschung gezeigt hatte, blieben wir noch einen Tag länger. Als Elle einen Konter-Jägermeister zum Frühschoppen gestürzt hatte, bereite Shannon unser Frühstück vor. Crayfish-Schwänze und Zangen köchelten im Topf und es war soooooo lecker!

Frisch vom Kutter in den Topf
Kathi, Elle und Shannon genießen das Frühstück

Es war so üppig, dass wir lange nicht alles aufessen konnten und Shannon hatte sogar noch ein 100 Crayfish auf Eis in der Kühltruhe. Alle 100 verteilten wir über Mittag in Bluff an ein Maori Gemeinschaftzentrum, Freunde, Bekannte und Familie. Mit Zion, Sailor, Connor, Elle, Shannon, Kathi, Shadow und mir (Shadow heißt Shadow, weil er als Welpe und immer noch seinen eigenen Schatten jagt;D) hatten wir das Passagierlimit um 2 Überschritten, aber für die kurze Strecke zum Parkplatz für Shannons Überraschung drückte die Polizei beide Augen zu. Natürlich kennen die Einheimischen die Überraschung, die er für Kathi geplant hatte. Mich hatte er am Vormittag eingeweiht. So marschierten wir über einen Wanderweg, bevor wir in den Urwald abbogen und ca. 10 Minuten über Stock und Stein kletterten. Nach einiger Zeit konnte ich das grüne Seil schon sehen, aber Kathi hatte noch keinen Schimmer was kommen sollte (Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen).

Und dann kam die Schaukel in Kathis Blickfeld. Ich weiß nicht genau, was sie gedacht hat, aber ihr Blick an mich sagte so viel wie „Ernsthaft, Timo“? Aber es war halb so wild, denn nachdem Shannon, die Kids und ich einen Versuch gestartet hatten, ließ sie sich nicht zweimal bitten. Noch ein bisschen Geschichte: Shannons Vater hat damals das erste Seil auf dem Ast befestigt.

 

 

 

Gut gelaunt ging nach nem Stündchen weiter zum Stirling Point (Captain Stirling ging hier an Land)

 

Stirling Point mit v.l.n.r. Shannon, Elle, Zion, Connor, Sailor, Kathi und ich

Und dann weiter zum Beachcomb House. Die Bewohner haben ihr Haus mit Treibgut verziert und sind mächtig stolz drauf

Viele witzige Kreaturen sind aus Treibgut entstanden
So auch Mirko beim Paddeln

Und eine Giraffe

Und funktionierende Fahräder
Und kleine, kusselige Sitze

Die Jungs waren wieder heiß auf Ihre Mopeds, also ging’s heim. Shannon bat mich ihm beim Aufräumen seiner Männerhöhle zu helfen. Und was wir danach gemacht haben, war einfach nur purer Spaß. Retrospektiv Mikro und Schorsch kann ich nur sagen: Hätten wir in Thailand mal zugeschlagen:D

Im nächsten Vikingerleben werden nur noch Äxte geworfen

Anvisieren!
Und werfen!

 

Nach zwei Stunden kochte Shannon ein letztes Mal für uns Blue Cod mit Pommes und zum Nachtisch gab’s Kathis Fudge aus dem Kühlschrank. Ein sehr gelungenes Abendessen. Elle ging früh zu Bett, es war mittlerweile schon 22 Uhr, während sich Shannon mit uns im Wohnzimmer aufhielt. Um 23 Uhr entschied es sich mit seinem Rum und Roter Beete in den Pool zu legen und ein wenig zu entspannen :D.

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