24.07.2017 Hirte für einen Tag

Geschrieben im Hausbus von Rob und Kristie

Rob und Kristie haben 40km südwestlich von Christchurch eine kleine Farm. Genauer gesagt, dürfen sie dort ihre Schafe und damals auch Schweine unterbringen. Annabel und Peter sind die eigentlichen Besitzer des Grundstücks. Als Gegenleistung kümmert sich Rob um das Grundstück und hält es in Schuss, oder Annabel und Peter bekommen Fleisch von der eigenen Hausschlachtung von Lämmern, Schafen oder Schweinen. Heute stand allerdings nur ein wenig Gartenarbeit auf dem Plan. Hinzu kam das Zusammentreiben der 25 Schafe, um deren Hintern in den nächsten Tagen vom Scherer reinigen zu lassen. Verteilt auf einer Fläche von 4 Fußballfeldern und einem Wald schauten die Schafe ein wenig verwirrt, als wir uns ihnen näherten und Kathi mit einem Eimer voller Leckereien rasselte. Und tatsächlich, nach anfänglichen Schwierigkeiten aus dem Wald herauszufinden, kamen zu aller erst die zwei Böcke auf uns zu und wir können jetzt mit Sicherheit sagen, dass so ein Schafkopf am Oberschenkel oder Rücken ganz schön weh tun kann:D Wie im Tierfilm nehmen die Böcke Anlauf, senken den Kopf und: Kabutz, bekommst Du eine Kopfnuss vom aller feinsten. Nach den ersten Attacken auf Kathis Leckereien und einem hungrigen Bock im Leckereieneimer, gab Kathi den Eimer an mich weiter. Während ich mit dem Futtereimer zentraler Mittelpunkt der Rammböcke zu sein schien, interessierten sich die übrigen 23 potentiellen Wollmäntel wohl eher für die Erkundung der neuen 4h weiten Weide, über die wir sie zu scheuchen versuchten. Mit ausgebreiteten Armen standen Kathi, Annabel und Rob im Halbkreis mit Abständen von 15m auf der Wiese und drängten die Tiere in meine Richtung. Alles sah ganz gut aus, bis eine kleine Gruppe von ungehorsamen Vierbeinern zwischen Kathi und Rob entwischten. Es sah von meinem Standpunkt super witzig aus: Kathi und Rob stürmen auf einander zu, um die Lücke zu schließen und prompt rennen die doch erstaunlich flinken Schafe auch noch durch die neu entstandene Lücke und verteilten sich wieder auf dem Feld. Mist:D. Alles nochmal auf Anfang. Diesmal allerdings hat es aber besser geklappt und die Schafe sind brav in den abgezäunten Bereich gedackelt. Frohes Warten auf den Scherer😊.

Kathis Leckereieneimer und Anton der Bock
Übergabe der Raubtierfütterung an mich

Mittagessen. Annabel hat eine Kleinigkeit für uns gekocht, ich glaub es war der mürrische Bock vom Vormittag, denn dieser war auf einmal nicht mehr in der Herde:D

Das Gesindehaus

Gut gestärkt, wenn der Bock auch ein bisschen zäh war, machten wir uns für den Nachmittag an das Auflesen von Apfelbaumzweigen, die beim Schneiden auf den Boden gefallen waren. Offensichtlich muss der Gärtner, ein Freund von Rob, nur den einfachen Teil beim Beschneiden der Apfelbäume übernehmen. Den undankbaren und mühseligen Teil überlassen wir mal lieber den billigen Arbeitskräften aus Deutschland.

Doch bevor wir zwischen den 200 Apfelbäumen herumkrochen, wollte Bob uns unbedingt noch zeigen, wie man in Neuseeland ein Bonfire anzündet. Bonfire ist zu vergleichen mit unseren Osterfeuern. Grünschnitt wird hier auf dem Land meistens großzügig mit Benzin übergossen und dann angezündet. Auch Rob verteilte großzügig Benzin und riet uns allen ein wenig Abstand zu nehmen. Mit Fenn auf dem Arm und Moss in greifbarer Nähe schauten wir Rob zu und erwarteten einen riiiiesen Feuerball. Ritsch, das Streichholz brennt. Nahaufnahme auf das sich in der Luft unzählig oft überschlagene Streichholz. Cut. Sequenz der Zuschauer mit offenen Mündern und voller Erwartung. Cut. Schwenk auf den minutenlangen Flug des Streichholzes. Cut. Schwenk auf den Kontakt von Streichholz und Benzin. Cut. Erneuter Schwenk auf die Zuschauer, die fast ausrasten vor Freude. Cut. Holzhaufen im Ganzen. Cut. Brennendes Streicholz trifft auf Holzhaufen. Nichts passiert:D. Die erwartete Alarm für Cobra 11-Explosion blieb aus. „So machen Neuseeländer also Feuer, Rob“ hab‘ ich zu ihm gesagt und wir haben alle gelacht. Die Situation war einfach so witzig, weil wir extra für die Bonfire zur Farm gefahren sind und Rob uns unbedingt zeigen wollte, wie spektakulär es ist, diese anzuzünden. Nach mehrmaligem Versuchen knisterte das Feuer dann doch noch wunderschön.

Alle warten ganz gespannt auf Robs „special tecnique“

 

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