21.05.2017 Seelöwen, Fächerschwanz-Spatzen und ein Hike, den wir nie vergessen werden

Hier bei Lawrence geht’s uns wirklich ziemlich gut. Für 4 Stunden am Tag bekommen wir die gesamte Verpflegung und dürfen auch noch in einem echten Hippie Haus wohnen. Und das mit diesem Ausblick:

Wir können es manchmal echt nicht glauben, dass so unsere Reise in Neuseeland begonnen hat. Na gut, wenn einem nach 4 Stunden Streichen fast der Arm abfällt, dann fragt man sich doch manchmal, was man da gerade tut. Ein Blick über die Schulter zum Meer genügt aber, um genau zu wissen wofür man es tut. Einen Platz an der Sonne…am weltberühmtesten Nationalpark, mit den so angepriesenen schönsten Wanderwegen in ganz Neuseeland, wenn nicht gar auf der ganzen Welt (ist ja bekanntlich immer Ansichtssache 😉). Davon wollen wir uns aber selbst ein Bild machen und hatten für die nächsten Tage einen Day-Walk (Tageswanderung) geplant. Da wir aber mit dem Streichen und der Reinigung der Häuser noch einiges zu tun hatten, haben wir die Nachmittage und Abende mit Sport sowie der Ausbesserung unseres Bongos gefüllt:

 

Am 19.05.2017 haben wir dann aber früh morgens angefangen mit dem Streichen, sodass wir unseren gesamten Nachmittag frei hatten und zu den nahegelegenen „Wainui Falls“ geradelt sind. Schnell waren die Drahtesel von Lawrence gesattelt und schon machten wir uns auf den Weg zum Wasserfall:


Nach ca. 10 min Fahrt waren wir auch schon angekommen. Lawrence hatte uns gebeten die Fahrräder nicht am Parkplatz stehen zu lassen und mit auf den Wanderweg zu nehmen, da sonst die Gefahr bestünde, dass sie geklaut werden. Ich hatte von allerhand Diebstählen schon in der Facebook-Gruppe für Backpacker in Neuseeland gelesen, in der jede Woche ein Beitrag zu finden ist, bei dem jemand sein geklautes Auto postet, um es mit viel Glück vielleicht doch noch wiederzubekommen. Unvorstellbar eigentlich, oder? In Australien haben wir manchmal nicht mal das Auto abgeschlossen (Ich erinnere hier gerne an Timo Glotzkowski und Martin V., die grundsätzlich einen ihrer Schlüssel im Zündschloss stecken gelassen und den anderen im Ersatzrad verstaut haben 😃). Hier werden jede Woche verschlossene Autos entweder aufgebrochen oder gar ganz geklaut. Klopfen wir auf Holz, dass das mit unserem Bongo nicht passieren wird. Die Versicherung würde zwar dafür aufkommen, allerdings möchten wir ungern unsere ganzen anderen Habseligkeiten verlieren.
Der Wanderpfad der Wainui Falls führte am Ufer eines großen Wasserausläufers vorbei. Irgendwie erinnerte uns das ganze an einen bestimmten Ort in Australien, na wisst ihr welcher (Timo, Martin, Schorsch?!)?


Endlich waren wir mal bei vernünftigen Wanderwegen angekommen. Es gab Ausschilderungen und der Weg war nicht durch angesammelten Müll der letzten Touristen gegenzeichnet. Wir genossen die klare, frische Luft und wussten gar nicht wo wir zuerst hinsehen sollten. Auf das ganze Pflanzengrün, den mitreißenden Bach oder die seltsamen Vogelarten, die sich hier so rumtreiben.

Über eine Hängebrücke gelangten wir dann an den letzten Teil des Weges der geradewegs zum Wasserfall führte.

Da es die Tage zuvor gut geschüttet hatte (und zwar, wie aus Eimern 😉), erwartete uns ein gewaltiger Wasserfall. In Asien wollten wir ja, wenn möglich, immer gern schwimmen gehen. Diesmal dachten wir uns eher…“Neeee, lass mal…“ 😃 zum Einen war es viel zu kalt, zum Anderen hatte der Wasserfall eine so gewaltige Kraft, die hätte uns direkt weggespült 😃 Damit ihr euch das besser vorstellen könnt:


Ein erster cooler Ausflug also für uns. Zurück ging es dann mit unseren Drahteseln den Berg hinauf. Abends schaut wir dann in einer Bar im Nachbarort („The Penguin“) Rugby und genossen den Abend mit einem Cider und Bier (ja Timo hat wirklich das „Local Draft“ = Lokales Bier aus dem Zapf getrunken).
Am nächsten Morgen starteten wir unsere Tages-Wander-Tour um 9h. Von unserem Hippie Haus aus hatten wir einen 4-6 Stunden Walk vor uns, der je nach Wetterbedingungen und Schrittgeschwindigkeit die Dauer bestimmt. Lawrence Grundstück zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Häuser sehr „einsam“ liegen, sodass keine Fußgänger oder andere Gäste am Haus vorbeispazieren. Dies liegt daran, dass jedes Haus sein eigenes kleines Plateau auf einem Berg hat. Wie ihr euch dann sicherlich vorstellen könnt, sind die Straße zu jedem Haus ziemlich steil. Das Hippie Haus liegt weiter unten und so mussten wir zunächst den gesamten Berg hochwandern. On Top befindet sich Lawrence sogenannter „Happy Place“…ihr dürft euch selbst ausmalen, was das wohl bedeutet mag 😉. Hier der Ausblick vom Happy Place:

Weiter ging es dann über eine Weide zum eigentlichen Startpunkt des Wanderweges. Bis dahin waren wir schon 2km unterwegs. Jetzt könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie groß Lawrences Grundstück ist.

Unsere erste Station war Totaranui, wo der Abel Tasman Coast-Track direkt an der Küste beginnt. Ca. 45 Min. braucht man dorthin. Aufgrund des Regens begegneten wir immer mal wieder kleinere Bachströmungen (Schuhe ausgezogen und zack durchgewattet) oder gar Schlamm, Steingeröll oder hinab gerutschte Pflanzen, die wir überqueren mussten.

Unglaublich an der Natur Neuseelands ist, dass hier alles vereint zu finden ist. Neben tropischen Pflanzen, wie Lianen oder Palmen finden man Laubbäume, Tannen oder Weiden, die an den Niederrhein bzw. an Deutschland erinnern.

Auf der einen Seite blickt man auf das offene Meer und auf der anderen schaut man ins einmalige grün des Nationalparks.

 


Immer mal wieder führte der Wanderweg am Strand entlang. Nach den ersten zwei Stunden regnete es, weshalb wir uns entschieden eine Pause an der ersten Picknickstation zu machen die auf unserem Weg lag. Ein ausgeschriebener Campingplatz der eine Picknick Area mit Baum-Überdachung hatte kam da gerade recht.

Im Sommer würde sich dieser Platz wunderbar als Campground anbieten, doch im Winter wäre das einfach zu kalt ohne entsprechende Ausrüstung. In den kälteren Monaten bieten sich dann die sogenannten „Huts“, also Wanderhütte inklusive Campingmatratze zu Verfügung gestellt bekommt.
Wenn man in Neuseeland Wanderungen auf den ausgeschriebenen Tracks macht und übernachten möchte, ist man verpflichtet die Übernachtungen vorher beim „Department of Conservation“ (kurz DoC) zu buchen.

Nach der kurzen Pause mit dem Blick auf das Meer, ging es dann für uns im Regen (Gott sei Dank nieselte es nur) weiter. Nach einem kurzen Weg durch den Dschungel gelangten wir dann an eine Bucht mit großen Felsen und Steinen, über die wir klettern mussten. Als Timo sich umdrehte sah er ein paar Seelöwen in der Bucht. Leider konnten wir sie nur aus der Ferne beobachten, aber selbst das war für uns schon etwas Besonderes. Nie zuvor hatten wir Seelöwen in freier Natur gesehen. Nach einer Weile entschieden wir aufgrund des Regens weiter zu gehen. Wir hätten noch Stunden dort sitzen können, aber Wind und Wetter ließen das nicht zu. Als wir dann am Strand weitergingen sahen wir plötzlich zwei der Seals auf uns zu schwimmen. Konnte es sein, dass sie uns verfolgen. Als sie dann vor uns halt machten und neugierig aus dem Wasser zu schauten, wussten wir, dass sie mindestens genauso neugierig waren wie wir. Sie kletterten dann auf die Felsen vor uns und beobachteten uns 😃 Ehrlich gesagt, war das einer dieser Momente in denen man nicht fassen kann, was gerade passiert.


Schweren Herzens mussten wir irgendwann weiter und ließen Plott und Plotterchen (die Namen kamen mir beim Anblick der Beiden einfach in den Sinn) zurück. Gefolgt sind sie uns noch bis wir wieder in den Dschungel einbogen und nicht mehr am Strand wanderten. Wir strahlten noch bis zum nächsten interessanteren Punkt auf unserer Route: dem Separation Point. Lawrence hatte uns vorher erklärt, dass diese Landzunge sogenannt wird, da sie die Golden Bay von der Tasman Bay abgrenzt und sich oftmals das Wetter auf der anderen Seite des Punktes schlagartig ändert.

Kaum hatten wir diesen Punkt überwunden, strahlte uns die Sonne entgegen. Ein weiteres Mal ging es am Strand entlang, bevor wir dann einen kurzen halt an der Whariwarangi Hut machten.


Diese Hütte bietet Platz für 20 Camper und 20 Schlafmöglichkeiten im Inneren. Es gab kalte Duschen, WCs und Spülplätze. Richtig cool. Aber die Übernachtung hätte sich für uns nicht gelohnt, da wir von dort aus in 2 Stunden zurück an unserem Hippie Haus waren. Den letzten Abschnitt unserer Tageswanderung kannten wir schon und wusste, dass es nur noch leicht bergab ging. Perfekt also zum Ausklang des Tages.

Wir kamen passend zum Sonnenuntergang in der kleinen Wainui Bay an und freuten uns auf unser Kaminfeuer und einem heißen Tee in unserem Wohnzimmer.

Die Tage vergehen hier wie im Flug. Jeden Tag gibt es etwas anderes zu tun und vor allem noch viel zu erleben. Nachdem wir ein paar Tage mehr Stunden gearbeitet haben, müssen wir uns in den nächsten Tag nur um die Reinigung der Häuser kümmern und Kleinigkeiten erledigen. Lawrence macht einen Kurzurlaub mit Kylie und hat uns quasi frei gegeben 😉
Weiter geht es dann für uns um den 6. Juni herum. Dann machen wir uns weiter auf den Weg Richtung Westcoast, um dann am 10.-12. Juni bei Barrie in Cass in der Nähe des Arthur’s Pass unsere zweite HelpX-Stelle anzutreten. Angeschrieben hatte ich Berrie auf der HelpX-Website, da er sehrv viele gute Reviews/Bewertungen hatte und sein Grundstück in der Nähe weiterer cooler Wanderwege und vier kleinen Skigebieten liegt. Vorgestern rief er uns an, um uns zu sagen, dass er bezahlte Jobs für uns hätte. Klingt auf jeden Fall richtig gut für uns. Da zu einer HelpX-Stelle ein bezahlter Job das Beste ist, was man (vor allem im Winter) kriegen kann. Wir haben zur Zeit keine Ausgaben, da wir die Unterkunft und vor allem das Essen bezahlt bekommen. Wie lange wir bei Barrie bleiben entscheiden wir gemeinsam, wie es passt und was es zu tun gibt. Er lässt es uns offen. 😊 Wir sind gespannt!
Bis dahin denken wir ganz oft an euch alle Zuhause und senden euch wunderbare Grüße nach Deutschland!
Genießt den Frühling 😉

4 Gedanken zu „21.05.2017 Seelöwen, Fächerschwanz-Spatzen und ein Hike, den wir nie vergessen werden“

  1. Hallo ihr lieben, es ist so toll, euch bei eurer Reise „begleiten“ zu dürfen. Es macht Spaß, eure lebendigen, ereignisreichen Berichte zu lesen. Fühlt euch umarmt. Eure Doris .

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