25.03.2017 Oberhausen in Saigon

Geschrieben auf Pho Quoc im Antinho Hostel

Nach einer morgendlichen Sporteinheit und einem leckeren, wenn auch kleinen Frühstück brachen wir um 13 Uhr mit dem Bus in Richtung Saigon auf. Planmäßig hätte der Bus um 12 Uhr abfahren sollen, aber an die vietnamesische Zeitrechnung haben wir uns gewöhnt. Entspannt nach einer 6 stündigen Fahrt wurden wir in die Großstadt Ho Chi Min aufgesogen. Unzählige Rollerfahrer und Autos schlängeln sich aneinander vorbei. Auch ohne einen Schilderwald scheint es einen Weg zu geben. Müsste ich mich entscheiden, würde ich den guten deutschen Schilderwald bevorzugen;).

Zu unserem Glück hielt der Bus direkt an einem zentral gelegenen Park. An diesem Park lag auch unsere Unterkunft für eine Nacht, Vietnam Inn Saigon. Als wir den Bus verließen betraten wir einen lebendigen Ameisenhaufen. Überall waren Menschen unterwegs, ob sie nun Essen verkauften oder kauften, herumsaßen oder mit ihren Rollern durch die Gegend fuhren.  Die paar Tage im Long Son Beach Campground waren eine ideale Vorbereitung auf die wuselige Großstadt.

Nachdem wir uns ein bisschen akklimatisiert und unsere nach Käsefüßen riechenden Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns am Abend mit Nam. Seine Eltern sind nach dem Vietnamkrieg nach Oberhausen gezogen und dort ist auch geboren. Von dort kennen sich die Beiden auch. Nach seinem Studium hat er beschlossen eine bestimmte Zeit in Saigon zu arbeiten. Wir trafen ihn in einem Lokal und nach einer kleinen Stärkung führte Nam uns durch die Adern der Großstadt. Saigon, so sagte er, ist eine aufstrebende Metropole. Viele junge Leute leben hier und treiben die Stadt nach vorne. Den ersten Halt legten wir in der Bar Acoustic ein. Akustische Musik war hier Programm. Für 2h hörten wir einer Band mit ständig wechselnden Sängern/Innen zu. Von Louis Armstrong über die Backstreet Boys war das gesamte Programm vertreten. Weiter ging es auf eine Bar auf einer Dachterasse (Rooftopbar) mit einem atemberaubenden Ausblick über Saigon. Noch fehlt es der Stadt an Wolkenkratzern, aber in einigen Distrikten, so Nam, wird 24/7 gebaut. Dort sprießen die Wolkenkratzer wie Blumen aus dem Boden. Tatsächlich ist die Stadt in Distrikte eingeteilt, alles wirkt sehr zentralisiert. Mir kommt es so vor wie in dem Buch die Tribute von Panem, in dem Distrikt 1 das Stadtzentrum und somit den Lebensraum der Schönen und Reichen darstellt. Hier in Saigon können sich die meisten einheimischen eine Wohnung in Distrikt 1-2 nicht leisten.  In den äußeren Distrikten leben entsprechend die weniger verdienenden. Das durchschnittliche Einkommen in Saigon liegt bei ca. 300€ (Quelle ist Nam), während die Preise für eine Wohnung in der Stadt 3 mal so hoch sind. Meistens leben in Distrikt 1 Politiker, Manager und sogenannte Expats (Expatriate), Ausländer, die von Firmen mit Standorten in Vietnam entsandt werden und viel Geld mitbringen. Und in einer Bar für diese Klientel waren wir also. Ein Bier kostet hier das 7-fache im Vergleich ((4€ für 0,33ltr) zu einem Lokal auf der Straße. Nicht ein Vietnamese hat sich hier oben verlaufen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Saigon sehr deutlich. Luxusgüter wie Autos werden zum 3-fachen Preis verkauft. Ein einfacher Polo liegt dann flott bei schlappen 35.000€. Das schlimme ist, dass hier Mercedes, Porsche und Co. über die Straßen fahren.

Nam wollte uns in einen weiteren Club führen, aber wir hatten Hunger:D. Eindeutig, auf welchen Schwerpunkt nicht normale Backpacker wie wir ihre  Priorität gelegt haben😉. Auf der Suche nach DEM Lokal schlenderten wir durch die vollen Straßen Saigons. Voll um 3 Uhr morgens, wohlgemerkt. Vorbei an Party wütigen In- und Ausländern kehrten wir ein und nahmen eine typische Suppe mit Kräutern und ein wenig Hähnchen zu uns. Das Straßengericht heißt Pho und ist normalerweise das traditionelle Frühstück. Gewissermaßen kann man um diese Uhrzeit von Frühstück sprechen;)

Müde fielen wir um 3:30 Uhr ins Bett. Danke, Nam, für den gelungenen Abend!

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