21.02.2017 Kindsköpfe 2.0

Geschrieben im Hostel in Vang Vieng

Die morgendliche Sporteinheit direkt am Nam Kong (der Fluss, der durch Vang Vieng fließt) bescherte Schorsch und mir einen super Tagesstart. Im Hintergrund kletterten die Berge empor und wir waren die einzigen Verrückten um diese Uhrzeit, die an diesem netten Örtchen waren.

Um 9 Uhr trafen wir uns mit den Anderen zum Frühstück im Hostel. Wir waren leicht enttäuscht, weil es nur Continental Breakfast gab. Das Frühstück besteht dann aus Toast mit Butter und Erdbeermarmelade :D.

Sofern wir nicht am Vorabend den oder die nächsten Tage geplant haben, vertreiben wir uns die Zeit während des Frühstücks mit der Tagesplanung. Am Ende des Frühstücks waren alle mit einer Fahrradtour zu verschiedenen Höhlen 13km nördlich der Stadt einverstanden und so zogen wir auf der Suche nach tauglichen Fahrrädern durch die Straßen. Schnell mussten wir aber einsehen, dass eine halbwegs sichere Fortbewegung auf Fahrrädern unmöglich zu sein schien, zumindest fanden wir nur Drahtesel mit quietschenden Ketten, schleifenden Bremsen und weiterem Quatsch. Uns blieb also nichts Anderes übrig, als wieder auf Roller umzusteigen. Aber auch hier scheinen die Laoten den Begriff ‚Pflege‘ noch nie gehört zu haben. Die Roller klapperten, meine Bremsen schliffen, schneller als 50km/h waren nicht drin. Wie ein Rudel Rehkitze tuckerten wir auf sogenannten Straßen unserem Ziel immer näher. Eine Motorcrosspiste brachte uns nach einer 40-minütigen Fahrt an die erste Bezahlstation.

Für 5000 Kip/ Roller parkten wir und schlenderten auf die nächste Ticketstation zu: 10000 Kip/ Person für das Überqueren einer Brücke…einer Brücke. Sollen wir auch noch für’s Atmen bezahlen???  Die Elephant Cave ließen wir links liegen und spazierten durch ein Dorf sowie einen kleinen Dschungel an den Fuß des Berges.

 

 

Der Aufstieg führte uns jedoch nicht zu den erwarteten Hoi Caves, sondern endete in einer Sackgasse. 20 Minuten Aufstieg für die Katz. Aber nichts ist auf einer Reise um sonst. Der Ausblick über die Landschaft war wunderschön. Auf dem Rückweg kam uns halb China entgegen, ausgerüstet mit Zip-Line Geschirr. Zip-Lining heißt, dass man sich wie James Bond mit einem Gürtel an ein Stahlseil hängt und unter ständigem Feindbeschuss unbeschadet seine Verfolger abschütteln kann. Das James Bond Action Paket ist für Touristen aber nicht buchbar, sondern sehr spartanisch ausgerichtet. Mit extra Bremsvorrichtungen rutschen die Touristen unter euphorischem Jubeln ins Tal. War uns zu teuer;). Wir spazierten für eine Weile weiter durch die grüne, aber doch sehr vertrocknete Landschaft.

Und tatsächlich, nach ein paar kleineren Irrwegen kamen wir am nächsten Ticketschalter für die Hoi und Loop Caves an. Jeder bezahlte 10000 Kip und bekam, sofern nicht schon aus Deutschland mitgebracht, eine Kopflampe. Ein Guide führte uns durch die atemberaubende Höhle, in der Stalagtide wuchsen, glitzernde Steinformationen durch unsere Kopflampen funkelten sowie klingende Kalksteine Musik machen konnten. Die Guides bieten für 800.000 Kip Touren mit Übernachtungen an. Eigentlich eine klasse Idee, aber wiedermal sehr teuer. Wir sahen uns beide Höhlen an und am Ende der Tour verlangte der Guide plötzlich 15000 Kip/ Nase als Bezahlung. Und wieder reingefallen:D. Davon war aber nie die Rede. Hier haben wir wieder ein typisches laotisch/asiatisches Beispiel für die vorsetzliche Abzocke der Touristen. Wie viele bezahlen ohne Murren die „Gebühr“ zusätzlich zu den 70000 Kip für die Höhle. Wir haben uns nicht auf die volle Summe eingelassen, sondern ihm immerhin 50000 Kip zugesteckt.

Leicht deprimiert und verärgert schlenderten wir weiter in Richtung Blue Lagoon. Es geht mir nicht um die paar Euro, die sich der Guide in die eigene Tasche steckt, sondern um das Prinzip der Abzocke. Niedrige Preise locken die Touris und im Anschluss lauern versteckte Kosten. Alles Pappnasen. Naja… Die Blue Lagoon ist auch wieder ein typisches Beispiel für die geplante Verwahrlosung einiger Anlagen. Wir waren auf dem gesamten Ausflug die Einzigen, die sich für die Caves und die Lagune zu interessieren schienen. In der Ferne arbeiteten ein paar Männer an einem Bambusgerüst. Sie hätten sich ruhig mal einen Besen schnappen können und die Umgebung der Lagune reinigen. Die im Internet blau schimmernde Lagune war mit Algen übersäht und machte den Spaß im kühlen Nass unattraktiv…im Ersten Moment. Dann entdeckten wir über der Lagune eine Zip-Line und ein Seil an einem Baum diente als großes Pendel. Mit kleinen Anlaufschwierigkeiten war Schorsch der erste mutige Springer, der nach einer ausgiebigen Wassererkundigung per Kayak in die Lagune eintauchte.

Der Bann war gebrochen. Ruck Zuck reihten wir uns ein und wirbelten nach einander durch die Luft. Der Versuch die Zip-Line auf das Absprungpodest zu ziehen schlug fehl, bis wir den Schlitten von dem Kayak aus mit einem langen Bambusstab bearbeiteten. Tatsächlich sprangen die Rollen auf das Drahtseil und wir konnten die Leine einholen. Tim war diesmal der Erste, alle anderen folgten. Es war richtig cool und das Wasser war doch klarer, als es im ersten Moment im Schatten des Berges schien 🙂 Und wieder einmal waren wir ganz alleine für uns dort…ein super Gefühl 🙂

Den Rücktritt kürzten wir über die Reisfelder ab. Es war ein gelungener Tag, der unspektakulär begann, sich aber zunehmend besser entwickelte. Den Abend ließen wir im Irish Pup bei ausnahmsweise nicht Asia-Essen (Burger, Gravy und Mashed Potatoes…) und Billard ausklingen. Ach ja, und ein wenig getanzt haben wir in mitten der jungen Hüpfer auch noch:D Natürlich nicht im Irish Pub, sondern im High Society Club Viva, in dem es von 10-11pm gratis Whiskey-Longdrinks gibt.

 

Dabei handelt es sich aber um irgendeine Plörre, die mit Wasser gestreckt wurde…naja…einem geschenkten Maul schaut man bekanntlich nicht ins Maul und somit probierten wir zumindestens mal einen der geschenkten Drinks. Wir bleiben dann aber doch lieber beim guten alten Beerlao. Um 1h schloss dann auch der Club Viva seine Pforten und wir gingen ziemlich zufrieden ins Bett.

Ein Gedanke zu „21.02.2017 Kindsköpfe 2.0“

  1. Danke für den Bericht über Vang-Vieng. Konnte mir sehr gut vorstellen wie eure Gefühlswelten durcheinander kamen. Herrlich. Lg aus Xanten.

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