27.11.2017 Northern Circuit Tag 1

Geschrieben in Whangarei

Nach 7 Tagen knalligem Sonnenschein verließen wir bei leichtem Nieselregen und einer dichten Wolkendecke die Oruatua Campsite in Richtung Whakapa Village. Die gesamte Fahrt über schwächte der Regen nicht ab, im Gegenteil. Je tiefer wir in die Berge fuhren, desto nasser und diesiger wurde es. Nachdem wir im hiesigen DOC Centre Wetterlage und sonstige potentielle Gefahren gecheckt hatten, händigte uns der nette Maori die Tickets für die 3 Huts aus. Seiner Supervisorin versuchte Kathi mit Händen und Füßen und vieeeel Geduld die Doppelabbuchung für den Welcome Flat Hut von vor 4 Wochen zu erläutern, denn das doch sehr seltene Ereignis einer Doppelabbuchung von Seiten des DOCs ist natürlich eingetreten. Und wie uns die Supervisorin erzählte kommt es ganz und gar nicht selten vor. Erst gestern hatte sie einen ähnlichen Fall auf dem Schreibtisch. Sie versicherte uns bei unserer Rückkehr am 30.11. mehr Informationen zu unserem Fall herausgefunden zu haben. Wenn Du das sagst:D

An unserem Auto trafen wir einen weiteren Wanderer, südländischer Typ. Er ist auch auf dem Weg zum Northern Circuit und wir wünschten uns einen guten und hoffentlich trockenen Tagesstart. Am Trackeingang schossen wir noch schnell ein Photo bevor wir uns dann entgültig in die öde, verhangene Buschlandschaft machten. Mit jedem Schritt den wir zurücklegten streiften unsere Hosen an dem zum Teil hüfthohen, klitsch nassen Gras entlang und es dauerte nicht lange, bis Kathis Sportleggings das Wasser in ihre Schuhe geleitet hatte. Meine Hose lag über den Schuhen, so konnte das Wasser nicht in die Schuhe. Noch nicht. Nachdem sich die Wolken dann für den restlichen Track bis zum Hut, also ca. 2h wiederholt über uns ergossen hatten und wir bis auf die Unterbuchse nass waren, hätten wir auch noch den ganzen Tag laufen können. Nass waren wir jetzt eh.

Vielseitige Natur sieht anders aus:D

Ein absehbares Ende ist erkennbar

Die gesuchte Karte von Bilbo Beutlin

Den Mangatepopo Hut sahen wir unter der Wolkendecke auf einem kleinen Hügel und waren froh die nassen Sachen endlich ausziehen zu können. Kurz vor Eintreffen fragte ich eine uns entgegenkommende Tramperin noch nach einer Schmerztablette für mein komischerweise schmerzendes rechtes Knie. Zu meinem Glück war sie auf dem Heimweg und konnte eine Pille abdrücken.

Die Sachen sind zwar nass, aber nicht weil sie aus der Waschmaschine kommen
Und von diesen Schuhen eignet sich keiner als Duftbaum für’s Auto

Wir bezogen unsere Etagenbetten in dem supervollen Hut, mitten im Zimmer, das bereits, wie sich über die Tage noch herausstellen sollte, von 5 Schwestern bezogen worden war. In diesen Raum fanden 16 Personen Platz für die Nacht. 16 Rucksäcke und 16 Paar leicht schwitzige Füße. Es war, auch wenn man sich nicht kannte, eine lockere Atmosphäre und die Wein trinkenden Damen, die haben tatsächlich Wein für jeden Abend eingeplant:D, waren super offen und gesprächig. Während sich die Damen in Deutschland lieber in den Zug setzten, ihren Piccolo und Pfläumchen mit dessen Deckel auf der eigenen Nase die Kehle runterschütten, verbrennen die Damen hier wenigstens noch ein Paar Kalorien und sorgen für ausgelassene, jedoch nicht nervige Stimmung:D. Da noch mehr Personen in dem zweiten Zimmer waren und die Camper bei dem nassen Wetter nur so wenig Zeit wie nötig in ihrem Zelt verbringen wollten tummelten sich zur Abendbrotzeit ca. 30 hungirge Wanderer in dem Hut und suchten nach Sitzmöglichkeiten. Wir hatten an einem Tisch Platz gefunden, an dem zwei Jungs vor Kopf saßen und abwechselnd auf ihrem Handy Schachfiguren verrückten. Die haben ja Spaß dachte ich mir, aber nach kurzer Zeit, man schweigt sich am selben Tisch ja nicht an, quatschen wir mit Julian und Tim den ganzen Abend über und hatten richtig Spaß. Die beiden haben exakt den selben Humor und Julian sieht exakt so aus wie unser Kommilitone Lukas Breul:D. Als wir ihm erzählten an wen er uns erinnerte, platzen Kathi und ich zeitgleich hervor und wir alle mussten herzlich lachen. Leider hatten wir kein Bild von Lukas parat, aber wir schossen eins mit Julian.

Julian oder Lukas? Zu Beginn waren wir uns nicht sicher…

Mittlerweile waren auch 2 der 5 Schwestern an unseren Tisch gestoßen, da die Stimmung am Nebentisch sehr gedämpft zu sein schien und die Niederländer und Belgier eher nichts mit den übrigen Reisenden und/oder unserem Tisch zu tun haben wollten. Es war ein buntes Trüppchen, gemischt aus zwei Israelis Ben und Idan (Idan hatten wir bereits im Whakapapa Village am Auto getroffen), Kathy und Reece aus Melbourne, und wie gesagt aus den 5 Schwestern, von denen 3 in Australien und 2 in NZ wohnen. Zum Abendbrot gab es Carbonara Cheese Pasta.

 

Gesprächsthema Nummer 1 an diesem Abend war die Leichtsinnigkeit mancher Tagestouristen, die, wenn überhaupt mit einem kleinen Rucksack ausgestattet, auf die Idee kommen, bei diesem Wetter die nicht ohne Grund angelegten Wege verlassen und auf eigene Faust über die Hügel streifen. Jaime, der Warden von unserem Hut, verbachte nämlich 3 Stunden bei strömendem Regen damit, ein verirrtes Päärchen in den Bergen zu suchen, die den markierten Weg verlassen hatten und auf eigene Faust Frodo und Sam nachahmen wollten. Nur ist der Regen, die Kälte, der Wind und die schlechte Sicht hier Realität und kein Special Effect von Peter Jackson. Als der 20 Jährige dann nicht vom Ranger, sondern von Reece, der Jaime ein wenig unter die Arme gegriffen hatte, orientierungslos im Busch aufgelesen wurde, nicht mal Proviant für seinen Tagesmarsch eingepackt hatte, fielen wir vom Glauben ab. Legolas und Aragorn mögen am Tagesende am Filmset feinste Schnittchen mit Lachs und Co. erhalten haben, aber das hier ist kein Fantasyroman. Hier muss jeder Tramper sein Tagesproviant selber schleppen. Seine Freundin war unterdessen wieder am Bus angekommen. Kollege Leichtsinn musste also noch die 2h Stunden zum Bus zurücklaufen und wollte nicht ein bisschen angebotenes Proviant zur Stärkung mitnehmen. Wir alle fragten uns, wieso man um alles in der Welt bei diesen widrigen Bedingungen den extra markierten Weg verlassen muss…Naja. Unser Freund hat Glück gehabt😉

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