15.11.2017 Ein Besuch in der Facebookzentrale

Geschrieben in Hamilton

Nach einem gemütlichen Frühstück mit Blick auf die im Wasser dümpelnden Böötchen und der lauten Hauptverkehrsader im Rücken machten wir uns auf die Suche nach einer Busstation.

So lässt es sich leben
Einer unter Vielen

Ziel: Wellington City. Eine verschmockte Maori an einer Bushaltestelle, leider nehmen viele Maori in NZ ihren Körper nicht ernst, werden unglaublich fett und rennen immer noch um den 1. Platz in der Schlange am McDonalds Schalter, machte uns nur doof an, als wir sie um Auskunft fragten. Ein indischer Besitzer des Kiosks an der Ecke hingegen, hätte uns am liebsten persönlich in die Stadt gefahren, konnte aber seinen Laden nicht verlassen und verriet uns daher die richtige Buslinie ins Stadtzentrum. Mit einem Tagesticketti bewaffnet ging die Fahrt los. 10 Minuten, 20 Minuten…so weit können wir doch nicht vom Zentrum entfernt sein:D. 30 Minuten und wir passierten die ersten Wolkenkratzer und Fußgängerzonen. 40 Minuten: wir fuhren wieder raus aus der Stadt. Spätestens jetzt wäre der richtige Zeitpunkt den Busfahrer mal nach der Haltstelle „Main Station“ zu fragen. „Ja, an der sind wir vor 15 Minuten schon vorbeigefahren. Da müsst ihr wieder zurück.“ Kiwis waren glaube ich noch nie in einer fremden Weltstatt mit dem Bus unterwegs, denn in Wellington gehen sie anscheinend davon aus, dass jeder Buspassagier die Stationen kennt und man sich die Ansage im Bus folgerichtig sparen kann. Wir sind der lebende Beweis, dass die zärtliche Computerstimme im Bus eine Berechtigung hat. Also, wir wieder zurück, diesmal einfach da ausgestiegen, wo es nach Innenstadt aussah und tatsächlich: Wellington City. Nach dieser ereignisreichen Busfahrt teilten wir uns einen kleinen thailändischen Mittagssnack, man, vermissen wir das Essen aus The Hai Land, bevor wir pünktlich um 13:05 Uhr im Parlament ankamen. Stündlich starten hier kostenfreie Führungen und sobald etwas kostenfrei ist, sind wir interessiert :D. Die Tour war seit 5 Minuten in vollem Gange. Der Sicherheitskontrolle machte ich klar, dass ich wohl 2 Messer in meinem Rucksack mitführe, auch wenn der nette Senior-Security Mann kopfschüttelnd auf seinen Röntgenbildschirm starrte und sagte: „Also ich sehe hier nichts.“ Ich händigte ihm beide Messer aus und wollte mir nicht ausmalen, wie viele Messer schon unerkannt ins Parlament gelangt sein mögen. Gott sei Dank ohne Schlagzeilen zu verbreiten. Die Führung erinnerte mehr an eine Lichtgeschwindigkeitreise im Milleniumfalken nach Tetuin, als eine übersichtliche und informative Führung. Nach 30 Minuten war die auf 1h angesetzte Führung zu Ende, weil es vermutlich Gratis-Fish ´n‘ Chips für die Führerin gab. Zum Glück fand an diesem Tag um 14 Uhr eine Diskussionsrunde im Parlament statt. Anders als in Deutschland fand die neue Regierungsbildung ohne Koalitionsverhandlungen statt und daher sitzen sich hier Labour (Regiert) und Nationals (Opposition) nach britischem Vorbild ein wenig mehr als eine Langschwertlänge gegenüber. Welche sonstigen Parteien noch im Parlament sitzen weiß ich nicht, aber es würde niemand bemerken, wenn Kathi und ich uns in die gepolsterten Stühle gesetzt hätten. Man glaubt ja in der Politik beachten die Diskussionspartner Diskussionsregeln. Pustekuchen. Es gibt zwar einen Parlamentspräsidenten, der die Fragestunde leitet, aber dennoch fallen sich die sonst in ihre Facebookchronik vertieften Fachleute ins Wort. Es macht den Eindruck, als würde die Politik reine Nebensache sein und sich der Fokus auf den Laptop oder das Handy richten. Naja…es war auf jeden Fall richtig interessant der Diskussion zu folgen, weil die Themen auch sehr spannend waren.

 

  1. JO LUXTONto the Minister of Education: Is he confident that schools will be able to recruit enough teachers next year to fully staff classrooms, particularly in Auckland?

 

  1. MARAMA DAVIDSONto the Minister for Women: What is the most recent data she’s received on the gender pay gap?

„Wir müssen mit dem Scherbenhaufen der letzten Regierung klarkommen“ war die Universalantwort der Labourpartei (SPD in Deutschland) auf jede gestellte Frage. Ich fand klasse, dass der Präsident die Antworten präzise und prägnant eingefordert hat und sich erst zufriedengab, wenn die Frage wirklich beantwortet wurde.

 

Auf dem Weg nach draußen sammelte ich noch meine Taschenmesser ein und wir schlenderten zum Strand. Unser Heimweg führt uns die gesamte Promenade entlang und wie so oft kamen wir mit einem obdachlosen sport- und geschichtsbegeisterten Kiwi ins Gespräch. Sehr nette 45 Minuten! Mit der Sonne im Rücken spazierten wir für 1h zur Evansbay und erreichten unseren Schlafplatz mit einigen Neuzugängen.

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