02.11.2017 Ein Fliegengewicht des Ozeans

Geschrieben in Taupo

Kaikoura steht für Whale- und/oder Dolphinwatching, Schwimmen mit Seelöwen oder Delfinen und weiteren Aktivitäten auf und im Wasser. Trotz einiger Bedenken während unsere Neuseelandreise eine Tour zu den Walen zu machen, entschieden wir uns dann doch von der Fahrt nach Kaikoura für die Buchung einer 3 stündigen Expedition zu den Walen. Unsere Tickets hatten wir online erstanden und mussten daher im Whale Watch Kaikoura Hauptquartier nur noch einchecken. Doch betraten wir natürlich nicht als einzige Schaulustige den Aufenthaltsraum. Mit uns enternten zwei Schulklassen das Gebäude. Neongelbe Warnwesten und rote Hüte flitzten überall herum, auf den Toiletten, im Café und natürlich im Souvenirshop. Super! Einmal im Leben könnten wir Wale in freier Natur sehen, aber wenn die weit geöffnete Pupille des Wals beim Auftauchen 40 gelbe „Da ist ein Wal“ schreiende Kinder erblickt, denkt sich dieser auch: Pustekuchen. Da hau‘ ich lieber ab und komm‘ später zum entspannen noch einmal wieder“. Mit gemäßigter Laune setzten wir uns ins Café und inspizierten unsere Tickets. Abfahrt 10:30 Uhr. Wie jetzt? Im Internet hatten wir uns für die 10 Uhr Tour eingetragen. Abwarten hieß es also. Dann wurden die Besucher der 10 Uhr Tour für die Sicherheitsunterweisung in den Briefing-Raum gebeten. Stühle rückten, Kinder riefen. Ja, die neongelben Ablenkkörper sind auf dem 10 Uhr Boot:D. Unsere Chancen, einen Pottwal beim Ausruhen an der Oberfläche zu erspähen, waren so eben um 100% gestiegen:D.

Mit dem Bus ging’s zur Fähre
Aufmerksames Lauschen den Infos

Auf der Fahrt bot uns die Crew sinnvolle Hintergrundinformationen über den Pottwal und die besonderen geografischen Gegebenheiten von Kaikoura. Pottwale jagen in Tiefen Meeresgräben, die zumeist weit draußen vor der Küste zu finden sind. Hier in Kaikoura fällt der Meeresboden aber schon nach ca. 4km auf 1000m ab. Zwei zentrale Meersströmungen, eine kalte aus der Antarktis und eine warme aus den nördlichen Subtropen sorgen für Verwirbelungen in dem Canyon. Da sich die Beute der unterschiedlichsten Walordnungen von der Strömung mitreißen lässt ist der Kaikoura Canyon ein Paradies für Meeressäuger. Das nur am Rand😉

Das Boot ist an diesem sonnigen Morgen aber nicht einfach ohne einen leisen Orientierung auf’s Meer gefahren, sondern fährt die Koordinaten an, an denen der Wal das letzte Mal vor seinem 60minütigen Tauchgang gesichtet wurde. Logischerweise taucht dieser nicht am gleichen Fleck auf, daher muss ein Passagier als Beute an einem langen Metallstab ins Wasser gelassen werden.

Langes Luftanhalten ist für diesen Passagier lebensnotwendig

Wenn der Wal dann angebissen hat und an der Oberfläche dümpelt beginnt ein Kampf um die besten Plätze, wie bei Aldi, wenn die neusten Konsumartikel im Wochenprospekt abgedruckt sind. Und wer das schoneimal erlebt hat weiß: Es ist gefährlich. Wir hatten überhaupt keine Lust auf Drängelei. Die Letzten werden die Ersten sein. Und als wir auf dem Dach des Bootes ankamen drehte das Boot bei und unsere, die leere Seite, hatte beste Sicht auf den ausgasenden Pottwal (Ausgasen, weil wegen der Sauerstoffschuld und so…). 10 Minuten Bestaunen von dem 30m langem und 50 Tonnen schweren Pottwal. Faszinierend!

Tief durchatmen vor einem neuen Tauchgang
Auf Wiedersehen scheint der Wal zu sagen. 500PS mit einem Flukenschlak

Nach 10 Minuten war das Spaktakel vorbei, aber da wir noch so viel Zeit hatten, wenn man Pech hat dauert die Ortung des Wals sehr lange, fuhren wir noch die Küste auf und ab und sahen noch Delfine, Robben, einen toten Oktopus, Albatrosse und und und.

Der Blick auf die Berge in der Ferne

Als wir gegen Mittag wieder festen Boden unter den Füßen hatten, stellten wir fest: Seegang mach hungrig. Und so fuhren wir zu einem Wohnwagen, den Kathi auf dem Weg zur Seelöwenkolonie am Vortag gesehen hatte. Dort gab es Crayfish zu günstigen Preisen, aber Kathi hatte Bock auf Lachs😊

Schlemmerfilet

Weil das Wetter noch super duper sonnig war, entspannten wir uns noch am Wasser, bevor wir eine lange Autofahrt zum St. James Walkway am Lewis Pass vor uns hatten. Dort haben wir bereits bei -7°C eine Nacht im Winter verbracht, nachdem wir bei Lawrence in Golden Bay gearbeitet hatten. Und da wir wieder auf dem Weg zum Lawrry sind, ist es ja schon fast Tradition dort einen Stopp einzulegen. Diesmal nicht mit klarem Himmel, sondern mit usseligem Nieselregen empfing uns der in den Bergen gelegene Parkplatz. Es war ein schöner Tag, der wie so oft zum Denken anregt. Zufrieden und mit einigen Zitaten vom Känguru im Ohr schliefen wir ein😉.

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