10.06.2017 Barrietown

Gerschrieben in Cass in Barrietown

Nach einem leckeren Frühstück und einigen Sandflie-Attacken (kleine stechende Viecher, die dich Tagsüber aussaugen. Zum Glück sind sie Nachts nicht da, sondern nur Mücken) machten wir uns auf den Weg zum kleinen, aber süßen Dörfchen Arthurs Pass. Die Umgebung der kleinen Dörfer unmittelbar am Pass lädt zu herrlichen Erkundungswanderungen in den Bergen ein. Im lokalen Informationszentrum, zu meinem Erstaunen voll mit den Geschwistern Phong und Phang sowie seinen Cousinen Ching, Chang und Chong und deren Geschwistern… (wir waren den Asiaten erstaunlich lange aus dem Weg gegangen, aber es gibt einfach so viele, dass man sie selbst an den entlegensten Orten in Omnibussen anreisen sieht), kann man sich von Experten über die aktuellen Beschaffenheiten der Wanderwege erkunden. Und das sollte man auch, da man nie weiß, wie sich das Wetter in den Bergen entwickeln kann. Bob, so nenne ich den netten Herrn hinter dem Tresen mal, reagierte wie ein Computer auf unsere Frage, ob wir im Bealey Valley ein paar Kiwis jagen könnten. Er spulte seinen auswendig gelernten Informationstext ab und ging erstaunlicher weise auf die aktuelle Wetterlage ein. „Jap, you can go! No problem.“ Alles klar, Bob. Also nahmen wir unsere Beine in die Hand, die Asiaten waren uns ja auf den Fersen, packten unser Backpack und machten uns auf den Weg.

Heutiges Ziel der Bealey Valley Track – In weiten Teilen Neuseelands sind Hunde übrigens verboten, wie das Schild auch zeigt
Kitty Kati Curly vor dem Mont Blanc
Wenig Sonnenlicht und viel Feuchtigkeit sind der beste Freund von Moos und Old Mans‘ Beard – einer sehr interessanten Pflanze!
Neuseeland? Wir sind in Schottland 😉

Bevor es zu unser neuen Arbeitsstelle gehen sollte nutzen wir die WIFI Box in Arthurs Pass, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und für einen kleinen Snack. Dafür klappen, sofern auf unseren Sitzen essen, den mittleren Sitz um (er dient als Tablett) und machen Brotzeit. Wie sich dat jehört! Lekker! Natürlich haben wir die Zeit vergessen;D und kamen ein wenig später in Cass an. Beinahe wären wir an Cass vorbei gefahren, weil es kein Ortseingangsschild gibt. „Das muss ja ein winziges Örtchen sein“, hab ich zu Kathi gesagt und hinter ein paar Bäumen erspähten wir eine rote Hütte mit einigen weißen Holzzäunen. Aber das Tor der Hütter war geschlossen und so fuhren wir weiter, bogen nach 100m links ab und fuhren einen weiteren Schotterweg entlang. Links und rechtes Wiese, gerade aus eine Bahntrasse. „Nein, hier kann das nicht sein. Lass uns nochmal bei der roten Hütte vorbeischauen.“ Völlig verunsichert machten wir nochmal kehrt, um wieder nur davor zu stehen. „Kann doch gar nicht sein. Alles ist verrammelt und neben der Schotterpiste sieht alles so verschlafen aus. Aber das ist hier, definitiv. Lass noch mal rumdrehen, Timo.“ Wir mussten ein bisschen schmunzeln, als wir zum zweiten Mal durchs Tor auf die Bahnschienen zufuhren. Wir folgten dem Weg und tatsächlich: wir sahen ein weiteres Auto, neben den wir uns mit Bongo stellten. Und wie es der Zufall so will, kam just in diesem Moment ein quadratisch, praktisch, gut gebauter (190cm, 130kg) Mann mit abgewetzter Hose und abgetragenem Pullover auf uns zu, in seiner rechten Pranke ein voller Mülleimer. Das muss Barrie sein, dachte ich nur. Seinen Kamm hatte Barrie wohl verlegt, denn seine Haare standen sogar zu seinem Kopf hin ab :D. Wir nahmen im natürlich direkt den Mülleimer aus der Hand, Mami 😉. „Come on in, come on in.“ Wenn wir in Zukunft Barrie zitieren, muss man sich vorstellen, dass er mindestens einen Teil des Satzes oder sogar den ganzen Satz mehrmals wiederholt. Ist ziemlich witzig, weil er auch so in sich hinein nuschelt und schwierig zu verstehen ist. Hingegen bestens zu verstehen sind seine Schmipfwörter, wie Bloddy, Baaastard und Jesus. Aber er meint es bestimmt nie so:D.

Das ist Barrie auf Kontrollgang, ob Kathi seinen BBQ auch richtig benutzt:D

Naja, wir folgten ihm in seine Höhle. Wie Lawrence uns schon vorgewarnt hatte, heizen die meisten NZ’s nur die Wohnstube, während die übrigen Räume nur mit einer mobilen Heizung bei Bedarf auf Temperatur gebracht werden. In Barries Wohnstube/ Küche sorgte ein großer Ofen für eine gemütliche Atmosphäre mit strengem Geruch. Ich kann den Geruch gar nicht direkt einordnen, aber Kathi meint: „Genau so riecht es bei alten Leuten, wenn die nicht die lüften.“ Ich musste, als sie mir das nachher in unserem Zimmer erzählt hat, richtig lachen. Barrie führte uns herum und hatte irgendwie Sorge, dass wir nicht satt werden bei ihm. Eilt uns unser Ruf etwa voraus? Mir war es bei Lawrence und Kylie schon immer so unangehenm, dass Kathi so viel gegessen hat :D. Er führte uns direkt zu seiner ersten Kühltruhe, bis oben gefüllt mit Gemüse und Fleisch. „Come on, come on. Ich zeige euch die Halle. Da stehen noch 3 Kühltruhen bis oben hin voll. Ihr verhungert hier nicht, keine Sorge.“ Also trotteten wir Barrie über die Schafweide hinterher und betraten seine Hütte. Es war keine gewöhnliche Hütte, sondern viel mehr eine Partylaube mit Lichtinstallationen, großen Boxen, einer Bühne und unzähligen T-Shirts mit der Aufschrift „Cass-Bash“.

Cass Bash Since 1991

Aus einer eimaligen Einweihungsparty, die Barrie bei seinem Einzug in Cass für seine damaligen Nachbarn vor 25 Jahren machte, entwickelte sich eine Tradition. Aus aller Welt kamen Barries Freunde zum jährlichen Cass Bash, einer wilden Party, mit Rodeo, reitenden Cowboys und mittäglichen Schießerein. Ach nee, sind ja nicht im wilden Westen. Aber so ähnlich wird es wohl gewesen sein:D. Barrie hat 2016 sein letztes Cass Bash abgehalten und drückte uns prompt ein T-Shirt in die Hand. Ein wenig abgelenkt von diesem „Shed“ (Hütte) vergaßen wir fast die lebenswichtigen Kühltruhen. Und wirklich: Rindfleisch in allen Variationen. „Ihr seid ja keine Vegetarier, oder“, fragte er uns mit leichtem Unterton. Welcher normale Mensch würde jetzt „Doch“ sagen, wenn man nicht neben dem Rind in der Tiefkühltruhe liegen will. „Ich hasse Vegetarier. Es geht doch nichts über ein gutes Stück Fleisch, oder. Jesus, bloddy Vegetarier.“ Das war unser erster Eindruck von Barrie, die Marschrichtung war also klar: Barrie ist der Boss mit seinen Ansichten. Das kann ja was geben in den nächsten zwei Wochen. Wir müssen uns erstmal beschnuppern, wenn zwei Alphatiere, wie Barrie und ich aufeinandertreffen :D. Bugger hab ich in der Liste mit Schimpfwörtern noch vergessen! Ganz wichtig.

Die wichtigsten Utensilien für die Nacht brachten wir in unser kleines Zimmer, bevor wir uns zum Abendbrot trafen. Barrie servierte Kartoffelpüree mit Erbsen und Möhren und einem typischen Pie (Blätterteig mit Rindfleisch gefüllt). Sehr lecker.

Wer hat es bemerkt? Das sind die nicht die passenden Photos, sondern die vom Folgeabend. Einzige Veränderung: Steak anstelle von Pie 😀
Kathi liebt Kartoffelpüree. Am liebsten isst sie es jeden Tag:)

Wir saßen noch gemeinsam im Wohnzimmer, schauten TV und hörten uns die ersten Instruktionen für den morgigen Tag an. Hühner wollten gefüttert werden und Barrie wollte zum einkaufen nach Rangiora fahren. Gespannt auf den nächsten Tag gingen wir zu Bett.

2 Gedanken zu „10.06.2017 Barrietown“

  1. Ihr Lieben
    Endlich habe ich mal wieder in eurem blog geblättert. Er liestc sich sehr lebendig, fast als wenn man dabei ist. Echt super…
    Habe mir die ganze Zeit die Frage gestellt, wer von euch beiden wohl am meisten Vorräten aus in den Kühltruhen verputzen wird?
    Antwort offen. Lg aus Xanten

  2. Also Leute, Sorgen machen dass ihr verhungert müssen wir uns definitiv nicht mehr und das ist für Barrie wahrscheinlich nur das „amuse guelue „

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