19.03.2017 Der letzte Akt

Geschrieben im Sleeping Bus von Kon Tum nach Dalat

7 Uhr aufgestanden, den restlichen Sprit aus Kathis und meiner Maschine abgezapft und in Schorsch’s Bike umgefüllt. Das hat schon eine Ewigkeit gedauert. Im Anschluss haben wir für 2h das Motorrad durch die Straßen von Mechaniker zu Mechaniker geschoben und versucht, die Möhre an den Mann zu bringen. Aber keiner wollte so wirklich anbeißen. Klar, es macht auch nicht den besten Eindruck, wenn das zu verkaufende Objekt auf den Hof geschoben wird. Der erste Mechaniker bestätigte nochmal den Preis der Reparatur des Vortags von 1.500.00 VND (=61€). Die Reparatur stand für uns aber außen vor, da die vorherigen Mechaniker das Problem nie ernsthaft behoben hatten/konnten. Wir wollten das Moped einfach nur für einen halbwegs akzeptablen Preis loswerden. John hatte erzählt, dass die Verkaufspreise in Saigon, unserem eigentlichen Ziel, höher seien, weil dort zahlreiche Backpacker ankommen. In Kon Tum hatten wir nur starben unsere Hoffnungen auf einen verlustarmen Preis. Ein netter Vietnamese schien dann aber doch interessiert zu sein, wenn auch nur als Ersatzteillager. Wir boten ihm 3.500.000 VND an, worauf er die Blue Card (Fahrzeugschein in Vietnam) sehen wollte. Sofort schüttelte er den Kopf und grinste. Wir fragten ihn nach dem Grund. Er erklärte uns, dass die Blue Card alleine für einen Verkauf hier in der Region nicht ausreichend sei, sondern ein Kaufvertrag vorliegen müsse. Hatte John uns also nicht die volle Wahrheit über den Verkauf der Motorräder erzählt? Kurzerhand riefen wir ihn an und der nette Vietnamese unterhielt sich mit John. John versicherte uns nochmals, dass ein Verkauf auch ohne Papiere, nur mit der Blue Card möglich sei. Am Vortag in Dak Ha hatten wir ihn über unser Vorhaben das Bike loszuwerden informiert. Leider hatte er sich nicht dazu geäußert. Zu meiner Überraschung bot an er dann doch an das Motorrad zurückzukaufen, wenn wir es mitsamt der Blue Card sowie allen Schlüsseln per Bus zurück nach Hué schickten. Sein Cousin in Dalat würde uns 3.300.000 VND für das Bike und 900.000 VND für 3 Helme geben (=185€). Das war ein verlockendes Angebot, zugleich setzen wir aber auch alles auf eine Karte. Entweder wir verlören die Anschaffungskosten von 6.000.000 VND oder aber John hält sein Versprechen und bezahlt uns über Mittelsmänner. Kurzerhand war das Moped verladen. Für mich war dieser Moment sehr befreiend, auch, wenn ich/ wir viel lieber auf zwei Rädern unterwegs gewesen wären. Aber die ständige Unsicherheit während der Fahrt hat besonders mich gestresst. Von nun an stand fest, dass Schorsch alleine mit seinem Bike und wir drei leider mit dem Bus weiterreisen werden. Den Nachmittag verbrachten wir in einem sehr schönen kleinen Café namens EvaCafé. Jeder nutzte die Zeit für sich. Wir lasen, schrieben Tagebuch oder hörten einfach mal Musik. Und dann fielen zuerst kleine, schließlich dicke Regentropfen vom Himmel. In Kham Duc hatte es auch schon geregnet, aber dieser Regen hier im Café fühlte sich aus irgendeinem Grund schöner an. Die Atmosphäre stimmte einfach, denke ich! Wir waren alle entspannt und froh, eine wichtige Entscheidung getroffen zu haben, ohne ein eindeutiges Ergebnis zu haben. Nach einem langen Telefonat mit Mami gingen wir nach 4h im Café wieder ins Hostel. Schorsch und ich trieben noch ein bisschen Sport in der Garage des Hostels, bevor wir uns gemeinsam zum Abendbrot aufmachten.

Ach ja, den versprochenen Ölwechsel in Hué hat John natürlich nicht gemacht. Wir machten den Ölwechsel schließlich nach dem Sport und es lief nur eine verbrauchte, dunkle Flüssigkeit heraus. Ab heute gilt der Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auf das dein Bike durchhält, Schorsch 😊. Gute Reise!

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